Kitap in der Presse :

Folgender Artikel erschien am Montag, den 17. November, im Schwäbischen Tagblatt :

Türkisch und pfiffig
Zweisprachige Märchenlesung im "Kitap"

Ungeheuer haben schon manches Kind um den Schlaf gebracht. Ein Bärenkind namens Kuli leidet auch unter solchen Alpträumen. Sein Vater weiß jedoch Rat: Der große Bär schlägt seinem Sohn Kuli vor, er solle das Ungeheuer malen. Aber nicht nur dieses eine: Kuli malt eine ganze Reihe von den schrecklichen Biestern. Dann wählt Vater Bär das hässlichste von ihnen aus und hängt es über des Sohnes Bett: Dieses hier sei so hässlich, dass selbst die geträumten Ungeheuer davor erschrecken und daraufhin weg blieben.

In der deutschen übersetzung heißt der Text "Kulis Traum". Mustafa Uysal trägt die Geschichte von Aysel Gürmen ebenso im Original vor, auf türkisch, wie die anderen Kinderbücher, die er für diesen Samstagmittag der Rottenburger Buchwochen herausgesucht hat. In seinem Büchercafé "Kitap" in der Stadtlanggasse hängen sieben Kinder unter sieben Jahren an seinen Lippen. Zwei von ihnen haben Deutsch, die anderen fünf Türkisch als Muttersprache. Sie sind mucksmäuschenstill. Außer dem Kleinsten. Ihm muss schnell ein Keks ausgepackt werden.

Aber die Kinder hören nicht nur zu: Nachdem ihr Mann "Kulis Traum" gelesen hat, zieht Doris Uysal Papierbögen heraus und lässt die Kinder selbst Ungeheuer und andere Motive malen.

Die türkischen Kinder sind genau richtig zu dieser Geschichte gekommen, die beiden deutschen trafen schon eineinhalb Stunden früher. Aber Sprachgrenzen wirken in diesem Alter noch nicht so trennend. Das zeigt sich an einem Buch, das beschreibt, wie verschiedene Tiere schlafen: "Die sind ganz eifrig, die türkischen Namen der Tiere zu lernen. Und sie lernen enorm schnell", staunt Uysal.

Zwischendrin stellt der Buchhändler Scherzfragen und wird immer wieder überrascht. Etwa als er wissen will, wann man einen Freund nicht ansprechen kann. Auf die Antwort "im Schlaf" wartet der Buchhändler vergebens. Die Kinder meinen, man dürfe einen Freund weder in der Schule noch in der Bibliothek ansprechen. "Diese Pointe ist geplatzt", gesteht Uysal lächelnd.

Als er wissen will, warum ein Arzt den Operationssaal mit einem Mundschutz betritt, liefert Uysal die Erklärung selbst: Damit ihn der Patient nicht erkennt. Der kleine Emircan widerspricht empört: Der Patient schlafe doch während einer Operation!

Die zweite Leserunde beginnt Nachmittags um drei. Zu ihr sind Grundschulkinder eingeladen, und der Lesestoff ist bereits etwas fortgeschrittener: Da liest Uysal etwa aus den Volksgeschichten über Nasreddin Hodscha, einer Art orientalischem Till Eulenspiegel, und aus "Keloglans Märchen".

mit freundlicher Genehmigung des Redakteuers Michael Sturm vom Schwäbischen Tagblatt

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